Predigt Hubertusgottesdienst 7.11.2015

Hubertusgottesdienst 7.11.2015
um 17 Uhr in der Ev. Stadtkirche Pforzheim

Predigt: Hans Gölz-Eisinger

über 2. Mose 20, 1+13-16 (Ausschnitt aus den 10 Geboten)

Ex. 20, 1 Und Gott redete alle diese Worte: 2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. … 13 Du sollst nicht töten. 14 Du sollst nicht ehebrechen. 15 Du sollst nicht stehlen. 16 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Liebe Jägerinnen und Jäger, liebe Gemeinde hier in der Stadtkirche,

heute habe ich ihnen ein eher ungewöhnliches Thema mitgebracht. Das hat natürlich Gründe. In den vergangenen beiden Jahren haben sie sich viel mit der Neufassung des Jagdgesetzes befassen müssen: 2014 mit dem Jagdgesetz selbst, und in diesem Jahr mit der Durchführungsverordnung zu diesem Gesetz. Dabei wurde deutlich, dass zwischen Gesetzestext und praktischer Umsetzung etliche Unterschiede bestehen können. Wieder einmal zeigte sich, wie schwierig es ist, unterschiedliche Interessen und Sichtweisen in einem guten Kompromiss zu formulieren.

So will ich mit Ihnen heute aus den zehn Geboten das achte Gebot genauer anschauen. Dort lesen wir: du sollst nicht falsch Zeugnis reden gegen deinen Nächsten. Was hier erst einmal so klingt es, als gehe es nur um Verleumdung, erweist sich im praktischen Leben als sehr realitätsnah. In der Tat ging es bei den zehn Geboten ursprünglich um die ganz alltäglichen Dinge. Und bis heute gehört die Wahrnehmung anderer Sichtweisen zu den Herausforderungen unserer Zeit. Das konnte man sehen bei der Entstehung des neuen Jagdgesetzes, das konnte man besonders sehen bei der Durchführungsverordnung. Gute Gründe für Unterschiedliche Sichtweisen gibt es immer. Eine der Sache angemessene Lösung allerdings ist oft ein schwieriger Weg.

Und so muss man immer wieder freundlich und deutlich reden und ebenso aufmerksam zuhören. Wer sich seriös mit der Jagd beschäftigen will, der findet natürlich Informationen über die Jagd und Wildtiere. Er findet ebenso Informationen über Wild und Natur: Über die Beobachtung von Populationen und deren Gefährdung, über die Erhaltung gefährdeter und seltener Lebensräume, über Naturschutz und Artenschutzprogramme. Er findet kritische Anfragen an die Politik mit ihren gesetzlichen Fassungen von Jagd und Natur.

Wer sich mit dem Tierschutz beschäftigt, der findet Informationen über Tierarten und deren Gefährdung, über Hilfs- und Schutzprogramme, über Tierheime und die Möglichkeit selbst Tiere aufzunehmen. Er findet kritische Anfragen an Zucht- und Mastbetriebe, an zoologische Gärten, an Jägerverbände, an Zirkusse etc.

Es gehört zu unseren Aufgaben, alle Interessen und Sichtweisen kritisch und aufmerksam zu prüfen. Es gehört zu unserer Pflicht, fair miteinander umzugehen.

Zwei aktuelle Beispiele möchte ich dazu kurz mit ihnen betrachten:

  1. In den vergangenen Monaten kamen und kommen immer mehr Menschen nach Deutschland, weil sie in ihrer eigenen Heimat keine Zukunft mehr sehen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch international wurde genau gesehen, wie menschlich und mit welch großen Aufwand die katastrophale Situation vor dem Budapesterbahnhof erst einmal entschärft wurde. Nach Österreich, Deutschland und Schweden konnten viele Menschen weiterziehen. Eine Lösung ist das nicht. Eine Gesamtlösung ist auch jetzt noch lange nicht in Sicht. Darum werden wir auch weiter ringen müssen. Klar ist eigentlich nur, was nicht sein kann: Hunderttausende von Menschen auf Jahre hinaus in Lagern ohne Zukunft. Hunderttausende von Menschen auf der Flucht. Krieg ohne Ende im Nahen Osten. Erschöpfte und weinende Kinder im kalten Nächten an der österreichisch-deutschen Grenze. Mitten in Europa. Klar ist eigentlich nur, was nicht sein kann: Millionen von Menschen, die in das Zentrum Europas wollen, weil sie hier die einzig mögliche oder die beste Zukunft sehen. Millionen von Menschen, die in der Fremde leben müssen, weil in ihrer Heimat Krieg ohne Aussicht auf ein Ende herrscht.
    Wir befinden uns in einen Ausnahmezustand. Und wir spüren das auch. Umso mehr brauchen wir klare Sätze wie aus den zehn Geboten: Verbreite keine Lügen über andere Menschen. Denn aus Angst und Ideologie wird nichts Gutes kommen. Wir dürfen uns nicht dazu verleiten lassen, die Menschen zu übersehen. Unsere eigenen nicht. Und die Fremden nicht.
  2. Die Tierrechtsorganisation Peta wendet sich gegen die heutige Hubertusmesse. Die Kritikpunkte sind deutlich formuliert:
    Der heilige Hubertus würde fälschlicherweise als Schutzpatron der Jagd dargestellt. Außerdem bilde die Messe häufig auch den Auftakt zu qualvollen Jagden;

Wer sich näher der Organisation Peta beschäftigt, der findet viele berechtigte Kritikpunkte. Zu Recht prangert die Organisation Massentierhaltung, Tierquälerei die industrielle Fleischproduktion an. Es ist auch richtig, dass Hubertus nur im Mythos etwas mit der Jagd zu tun hatte und die eigentliche Geschichte bei Eustachius beginnt. Nicht erwähnt wird der Sinn der Geschichte: Dass es eben um einen sorgfältigen Umgang und Nutzen der Tiere geht und nicht um das Töten.

Peta propagiert einen veganen Lebensstil. Dabei ist sie nicht zimperlich im Umgang mit ihren Gegnern. Vorsichtig ausgedrückt sind die Darstellungen häufig sehr einseitig. Auch die Lösungsvorschläge überzeugen nicht auf ganzer Linie. Statt Wollkleidung werden unter anderem Kunstfasern empfohlen. Nachhaltig ist das nicht. Wer darüber hinaus aus Transparenz in der Organisation sucht, wird nur schwer fündig und stößt auf eine sehr merkwürdige Praxis. Die Tötungsrate in den amerikanischen PETA-Tierheimen, dem Stammland der Organisation ist extrem hoch. Es gibt dort laut einem Bericht von 2011 keine Bemühungen zu Vermittlung von Tieren an Tierliebhaber… (vgl. Huffington Post vom 21.11.2013, Art. V. Nathan J. Winograd. http://www.huffingtonpost.de/nathan-j-winograd/unfassbar-peta-toetet-hei_b_4315080.html )

Liebe Jägergemeinde,

es bleibt also weiterhin viel zu tun: Die Natur zu erhalten, sorgsam mit den anvertrauten Populationen umzugehen, das Gleichgewicht unter Menschen und Tieren in einer guten Balance zu halten.
Es bleibt viel zu tun: Offen und fair miteinander zu reden, zu diskutieren und gute Kompromisse zu erreichen. Es bleibt viel zu tun: Für Frieden und Sicherheit in der Welt zu arbeiten und Opfer und Flüchtlinge menschlich zu behandeln.

Wir leben in Zeiten und Verhältnissen, die uns viel Verantwortung ermöglichen. Nutzen wir sie!

Amen.