Predigt am 1. Advent, 29.11.2015

Predigt Kantatengottesdienst am 1. Advent 29.11.2015
um 10 Uhr in der Stadtkirche
Pfarrer: Hans Gölz-Eisinger

Thema: Der kommende Herr
Plakat: „Ich verspreche es!“
Psalm: Ps.24 = 711.2
Evangelium
: Mt.21,1-11 (Einzug in Jerusalem)
Predigttext – Epistel: Röm. 13,8-12

 Lesung des Predigttextes: Römer 13,8-12

Ich verspreche es!, diese Botschaft ließ Gott seine Priester und Propheten in unterschiedlichsten Worten immer wieder ausrichten. Und (er) ließ Taten folgen.

Er gab dem durch die Wüste irrenden Volk die Tora, das Gesetz. Er gab die 10 wichtigsten Sätze für das Leben in Gemeinschaft in die Hände des Mose. Und der gab sie an sein Volk. Und das Volk hielt die Gesetzestafeln in Ehren, trug sie durch die Wüste und baute später den Tempel in Jerusalem gleichsam um die Tora herum.

Ich verspreche es, sagte Gott auf vielfältigste Weise. Immer wieder. Und ließ Taten folgen.

Er schickte Jesus in die Welt, damit seine Tora Mensch werde; damit die Menschen sahen und fühlten, dass Gott zu seinem Wort steht.

Auf diese Treue Gottes baut Paulus seine Gedanken auf, wie denn der Mensch auf das Wort Gottes zu antworten habe. Dass nicht nur Gott versprach, sondern der Mensch auch antworte: „Ich verspreche es.“

Und das klingt dann so:

8 Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn was da gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.

11 Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.

Lied EG 16, 1+2 Die Nacht ist vorgedrungen

Predigt

8 Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt.

Mehr ist’s nicht, als dass wir lieben? Damit also soll alles erfüllt sein, was es an Pflichten für einen Christenmenschen gibt? Das scheint wenig zu sein…

Ist es aber nicht!

Es ist unendlich schwer, klare Regeln fürs Leben zu formulieren. Deshalb müssen Juristen ja auch so lange studieren. Und es ist noch viel schwerer, diese Gesetze recht auszulegen und anzuwenden…

Wir erleben es ja hautnah in diesen Wochen. Wie Europa darum ringt, klare Gesetze für das ganze Flüchtlingsdrama zu finden und sie dann auch noch menschlich anzuwenden.

Denn darauf kommt es an: Auf die Auslegung der Gesetze.

Paulus kannte sich damit aus. Er meinte, die Tora gegen die Ungläubigen anwenden zu müssen. Und die Christen waren seine Hauptgegner geworden. Aber Christus holte Paulus in einer Vision im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden und öffnete ihm die Sinne für Gottes Plan:
Dass es um Leben geht. Nicht um Tod.
Dass es um Zukunft geht. Nicht um Vergangenheit und Gegenwart.
Dass es um Liebe geht und nicht um starre Worte.

An anderer Stelle schrieb Paulus: „Der Buchstabe tötet. Der Geist macht lebendig.“

Wir erleben es in diesen Tagen, wie es in Zeitungsberichten und Leserbriefen da hin und her geht. Ein einziger Jeside im Kirchenasyl in der Ev. Gemeinde in Büchenbronn – und die Schlacht um Recht und Gesetz ist in vollem Gange. Vergessen, dass unsere Rechtsprechung von Richtern im Einzelfall angewandt werden muss; vergessen, den individuellen Fall zu bewerten. Gnadenlos soll umgesetzt und geliefert werden. Paulus ist uns da Mahner:

Denn was da gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.

Wir sind dafür verantwortlich, was am Ende für einen Menschen dabei herauskommt. Das muss schon unsere Sorge sein. Das können wir nicht abschieben…

Einfach ist das nicht. Das wußte auch Paulus. Er war kein naiver Gutmensch: So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.

Es ist ein Ringen, eine Art Kampf. Lasst uns anlegen die Waffen des Lichts. Einfach ist die Rettung der Liebe im Alltag nicht. Sie ist ein Ringen. Eine Art Kampf. Sie braucht Ausdauer, Leidensfähigkeit und vor allem grenzenloses Vertrauen in Christi Liebe. So ist das möglich: Das Lieben.

Johann Sebastian Bach hat das so begründet:

Der Heiland ist gekommen, / hat unser armes Fleisch und Blut an sich genommen / und nimmet uns zu Blutsverwandten an. / O allerhöchstes Gut, was hast du nicht an uns getan? / Was tust du nicht noch täglich an den Deinen? / Du kömmst und lässt dein Licht mit vollem Segen scheinen.

Es ist Christi Licht, das uns leuchtet. Es ist SEINE Liebe, die uns Kraft gibt, selbst zu lieben.

Und so konkret, wie’s Paulus erlebte, wandelte es auch Bach in Musik. Und nahm die Worte Jesu auf:

Siehe, siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.

So kommen wir ins Licht. So leuchtet uns Gottes Liebe. So bleibt Christus unser Morgenstern, der uns schon am Beginn des Tages den Weg weist.

Amen

Lied: EG 19 O komm, o komm, du Morgenstern