Glockenkonzert am 23. September 2018

Motto: Liturgisches Läuten

Das Kirchenjahr erhält durch seine Feste, Festzeiten (wie nach Weihnachten oder Ostern), aber eben auch durch eine festlose Zeit (nach Trinitatis) und Zeiten der Besinnung (Advent und vorösterliche Fastenzeit) eine ganz spezielle Akzentuierung. Sinnfällig wird dies optisch in den wechselnden Farben der gottesdienstlichen Paramente (Behang an Altar und/oder Kanzel), akustisch in der Auswahl der Lieder und Orgelstücke. Dabei kommt dem Geläut einer Kirche ein ganz besonderer Stellenwert zu. Wir haben ein feines Gespür, ob die Glocken festlich, feierlich, verhalten oder traurig klingen.

Vor allem bei großen, vielstimmigen Geläuten, wie in der Pforzheimer Stadtkirche, kann der Einsatz der Glocken entsprechend gesteuert werden. Dies ist in der Läuteordnung genau festgelegt. Und so wie der Organist sein Instrument registriert (Auswahl der verschiedenen Klangregister), werden auch die Glocken entsprechend dem Anlass zum Klingen gebracht. Bei einer Hochzeit tönt es anders als bei einem Trauergottesdienst, dem verhaltenen Klang in der Adventszeit folgt fröhlicher Jubel über die Geburt Christi. Und einmal im Jahr schweigen die Glocken ganz, nämlich von Karfreitag bis zum Osterfest, an dem sie weithin verkünden: “Christ ist erstanden“.

Von Zeit zu Zeit ist es gut, der Gemeinde diesen unsichtbaren und doch präsenten Klangkörper in seiner vielfältigen Funktion zu erläutern. Warum läutet es jetzt? Was hat das zu bedeuten? Die Kenntnisse zum Gebrauch der Glocken schwinden in erschreckendem Maße. Nicht selten beschäftigt das Geläut die Gerichte, und dies nicht nur in Städten. Glocken als Lärmquelle …. So bietet sich das Jubiläumsjahr der Stadtkirche an, die bestehende Läuteordnung mit ihren Besonderheiten klanglich in den Mittelpunkt eines „Glockenkonzertes“ zu stellen. Dabei soll aber auch über andernorts geübte Läutebräuche berichtet werden.

Ablauf: Vor dem Gottesdienst von 9.45 bis 10.00 Uhr Cluniazenser-Läuten mit den Glocken h° – cis´ – dis´ – fis´ . Dazu werden diese vier Glocken zunächst zusammengeläutet, dann erklingen sie einzeln von klein nach groß, gefolgt von einem zweiten Zusammenläuten. Dies war die früher übliche Form des gottesdienstlichen Läutens, übernommen aus dem klösterlichen Bereich (Abtei Cluny). Heute wird dieses auch „Reihenläuten“ genannte Zeichen noch vielerorts im süddeutschen Raum, vor allem aber in den Alpen praktiziert.

Nach dem Gottesdienst sollen die Glocken zunächst in ihrer speziellen Funktion vorgestellt werden:

– Trauglocke
– Taufglocke
– Vater Unser Glocke
– Betglocke
– Totenglocke
– Christusglocke (Festtagsglocke)

Läuten zu Kasualien/besonderen Anlässen:
– Hochzeit
– KonfirmandInneneinsegnung
– Trauergottesdienst

Läuten zum Kirchenkonzert
– übers Jahr
– Atempause im Advent

Durch das Kirchenjahr
– Adventssonntage
– Sonntage der Weihnachtszeit (wie Sonntage der Osterzeit)
– Sonntage der Vorpassion (wie Sonntage nach Trinitatis)
– Passionssonntage
– Palmsonntag
– Karfreitag
– Ostern (wie Weihnachten, Epiphanias (Hl. Drei König), 23. Februar, Himmelfahrt, Pfingsten, Trinitatis)

Mit dem nur den Hochfesten vorbehaltenen Vollgeläut aller Glocken (Plenum) in der Tonfolge eines doppelten Te Deum-Motivs (gis°- h° – cis´- dis´- fis – gis´) schließt das Glockenkonzert.

„Wer Ohren hat, der höre …“

Dr. Mathias Köhler, im September 2018