Archiv der Kategorie: Predigt

Predigt Festgottesdienst am 22.4.2018

Stadtkirche Pforzheim, 50 Jahre Jubiläum 22.4.2018
Dekanin Bärbel Schäfer, Lörrach

Erinnern. Feiern. Zukunft.

Kanzelgruß: Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Festgemeinde!

Jedes Mal beim Betreten der Stadtkirche ging ich in den Jahren meiner Kindheit und Jugend hier in der Gemeinde auf die Eingangstüre zu, sah die Flammen, die vom Feuer umgebenen Mauern, sah die Geflüchteten, sah Lots Frau. Diese sticht besonders ins Auge, ist sie doch hervorgewölbt. Wie ein in Bronze gegossenes verzweifeltes Aufbäumen beim Anblick der untergehenden Stadt. Predigt Festgottesdienst am 22.4.2018 weiterlesen

Kantatengottesdienst mit Abendmahl an Karfreitag , 30. 3. 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche

Predigt: Hans Gölz-Eisinger
Musik
: Oratorienchor, Jugendkantorei, Bachorchester
Leitung: Heike Hastedt
Orgel: Kord Michaelis

Karfreitag – Liedblatt

Predigt über Hebr. 9,15.26b-28

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

I.

Hoffnung?

Hoffnung ist keine mehr da – am Freitagabend kurz vor Sonnenuntergang, kurz bevor der Shabbat beginnt. Kantatengottesdienst mit Abendmahl an Karfreitag , 30. 3. 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche weiterlesen

Gottesdienst am Sonntag Invokavit, 18. Februar 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche

Predigt: Andreas Waidler, Vikar
Orgel: LKMD Kord Michaelis

Predigt über 2. Kor.  6, 1-10

Liebe Gemeinde,

das Wort für diesen Sonntag Invokavit ist Teil des zweiten Briefes, den Paulus an die Gemeinde in Korinth und an „alle Christen in Achaia“ abfasst. Im zweiten Kapitel schreibt der Apostel: Gottesdienst am Sonntag Invokavit, 18. Februar 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche weiterlesen

Kantatengottesdienst mit Abendmahl am Sonntag Sexagesime , 4. 2. 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche

Predigt: Hans Gölz-Eisinger
Musik: Motettenchor, Projektkantorei, Bachorchester Pforzheim
Sopran: Angelika Lenter
Leitung: Kord Michaelis
Orgel: Heike Hastedt

Sexagesimae 2. Kor. 12,1-10 Liedblatt

Predigt über 2. Kor. 12,1-10

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

heute werden wir vom Apostel Paulus mitgenommen in die wichtigste Erfahrung seines Lebens. Er berichtete (sc. der Gemeinde in Korinth) zuerst, wieviel er durchgemacht und gelitten habe auf seinem Missionsweg. Dann kam er zu seiner Hoffnung, ja zum Grund seines Glaubens. Und das beschrieb er so:

1 Ihr drängt ja mich dazu, dass ich auch von meinem Glück und meinem Erfolg rede. Zwar hat niemand einen Nutzen davon;
trotzdem will ich jetzt von den
Visionen und Offenbarungen sprechen, die vom Herrn selbst kommen. Kantatengottesdienst mit Abendmahl am Sonntag Sexagesime , 4. 2. 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche weiterlesen

Letzter Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Predigt über 2. Mose 3,1-10 von Pfarrer Hans Gölz-Eisinger

Liebe Gemeinde, das heutige Wort der Heiligen Schrift stammt aus der großen Geschichte des Mose. Einst waren die Israeliten in Zeiten der Dürre immer wieder nach Ägypten gezogen, um dort Korn zu kaufen. Und da es in Ägypten den großen Fluss Nil und damit reichlich Korn gab, blieben mit dem Jahren etliche Hebräer im Land. Als es dem ägyptischen Pharao zu viele Israeliten wurden, ließ er sie in Lager internieren und verpflichtete sie zu Zwangsarbeit. In diese Sklaverei hinein wurde Mose geboren, wuchs am Hof des Pharao auf und tötete als junger Mann einen der sadistischen Sklaventreiber. Er verließ fluchtartig seine Heimat und fand in der Wüste beim Nomandenstamm Jitros Sicherheit. Er heiratete und half dem Schwiegervater bei dessen Herden. Seinen Sohn nennt er Gershom, was übersetzt bedeutet: „Ich bin ein Fremdling in fremdem Land“. Das Volk Israel indessen seufzt und jammert unter der harten Herrschaft des Pharao. Da wird Gott aktiv. Und das klingt so: Letzter Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Predigt über 2. Mose 3,1-10 von Pfarrer Hans Gölz-Eisinger weiterlesen

4. Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Predigt über Mt. 14,22-33 von Pfarrer H. Gölz-Eisinger

Predigt über Mt. 14,22-33
Gehalten von Pfr. Hans Gölz-Eisinger in der Sonnenhofgemeinde im Rahmen des Kanzeltauschs

Liebe Gemeinde, heute haben wir es mit einer dramatischen, bewegenden Geschichte zu tun! Wir bekommen Einblick in die Welt der Jünger, und zwar in den überaus spannenden Prozess, wie sie langsam begreifen, wer Jesus ist: nicht irgendein gebildeter, kluger Zimmermann, der wie ein Rabbi auftreten konnte. Sondern viel mehr. 4. Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Predigt über Mt. 14,22-33 von Pfarrer H. Gölz-Eisinger weiterlesen

Predigt über 2. Kor. 5,19-21 an Karfreitag, 25.3.2016

Liebe Gemeinde,

Was kann einen da noch trösten? (vgl. das Evangelium Joh. 18,1 – 19,30)
Wenn der Tod so grausam zuschlägt: wie sie Jesus haben verhaften lassen, wie sie ihn führen ließen von Kaiphas zum Praetorium, dem römischen Gericht und nicht hinein gingen ins Gericht, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passahmal noch genießen konnten. Sie machten sich die Hände nicht selbst schmutzig. Sie hatten kein Problem damit, einen ans Messer zu liefern und dann selbst das Pessach-Fest zu feiern. Und so starb Jesus am Kreuz. Es scheint ihnen nicht einmal den Appetit verschlagen zu haben…

Was kann einen da noch trösten?

Wenn der Tod so grausam zuschlägt: Wie sie sich Bomben um die Körper binden, mitten ins Leben gehen und töten, willkürlich, brutal, gnadenlos, sinnlos. Wie sie in Syrien und dem Irak ihren Krieg führen; wie sie mitten unter Menschen gehen, gnadenlos, in Paris, in Istanbul, in Brüssel.

Der Tod ist noch lebendig und unterwegs. So scheint es.

Aber der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott hilft uns, über ihn hinaus zu sehen. Hören wir, was uns Paulus heute dazu sagt:

14 Wenn einer für alle gestorben ist,

so sind sie alle gestorben.

15 Und er ist darum für alle gestorben,

damit,

die da leben,

hinfort nicht sich selbst leben,

sondern dem,

der für sie gestorben und auferstanden ist.

17 Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;

das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

18 Aber das alles kommt von Gott,

der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus

und uns das Amt gegeben,

das die Versöhnung predigt.

19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber

und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu

und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt,

denn Gott ermahnt durch uns;

so bitten wir nun an Christi Statt:

Lasst euch versöhnen mit Gott!

21 Denn er hat den,

der von keiner Sünde wusste,

für uns zur Sünde gemacht,

damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

2.Kor. 5,(14b f.17f)19-21

Liebe Gemeinde,

Es ist ein weiter Weg vom Leben zum Tod.

Es ist ein weiter Weg vom Tod zum Leben.

So scheint es.

Auch wenn er uns immer wieder so nahe kommt, der Tod, es ist ein weiter Weg. Nur selten kommt er den meisten von uns nahe.

Doch wer mitten im Leben steht, der macht die Erfahrung, dass das alte Lied stimmt:

Mitten wir im Leben sind vom Tod umfangen.

Das ist so.

Aber wir wollen das nicht so.

Denn es scheint das Leben so schwarz zu machen.

Aber das Lied geht ja weiter: Wer ist, der uns Hilfe bringt, dass wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine.

Es gibt Hilfe. Wir müssen die Sinne öffnen. Wir können auf Paulus hören. Wir können Johannes‘ Evangelium genau lesen. Wir können auch Johann Sebastian Bachs Musik und seine Worte hören.

Dort finden wir viel.

Johannes öffnet uns die Augen: Unter dem Kreuz stehen die drei Marias und ein Jünger. Sie stehen bei Jesus. Sie lassen ihn nicht allein. Und unsichtbar drumherum irgendwo in der Menge auch die anderen Jünger. Das wußte Jesus. Nicht allein sein, das hilft.

Johann Sebastian Bach öffnet uns die Sinne. Da singt die gläubige Seele: Ich will den Kreuzstab gerne tragen, er kömmt von Gottes lieber Hand, der führet mich nach meinen Plagen zu Gott in das gelobte Land.

Machen wir uns also auf den Weg, um das kleine Licht mitten in der Todesnähe zu entdecken.

Fangen wir beim Ende an. Paulus stellt alles in ein neues Licht:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;

das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Das Alte ist vergangen.

Der Tod hat keine Macht mehr.

Diese Urangst, die einen zeitlebens so belasten kann, ist gebrochen.

Immer wieder muss man sich als Christ diese Sätze sagen. Der Tod hat keine Macht mehr. Die Gewalt hat keine Macht mehr. Die Bosheit ist nicht unbegrenzt. Das Ziel unseres Lebens ist nicht Vergänglichkeit.

Wir müssen es uns immer wieder sagen. Denn wir sehen anderes.

Wir sehen die Geschichte, die bei Johannes geschrieben steht, immer und immer wieder.

Da lesen wir von Jesus,

  • wie er Jünger um sich herum sammelt;
  • wie er den gnädigen, liebenden Gott predigt;
  • wie er den Menschen zuhört;
  • wie er Menschen heilt;
  • wie er angegriffen wird.

Wir lesen von Diskussionen, von Streit und Hass.

Wir lesen von Neid und Missgunst.

Wir lesen vom Plan, Jesus zu töten.

Da wähnen sich Menschen erfüllt von ihrem Glauben. Und sie schrecken nicht davor zurück, einen zu töten.

Sie führen ihren persönlichen Heiligen Krieg.

Und so zeigen Sie ihn an bei den Römern.

Sie lassen ihn verhaften.

Sie zerren ihn vor dem Hohen Rat, das Religionsgericht.

Und sie machen sich selbst die Hände nicht schmutzig.

Sie schleppen ihn vor das weltliche Gericht.

Pilatus soll richten, was sie selbst nicht umsetzen wollen.

Und Pilatus?

Ich finde keine Schuld an ihm, sagt er wachsweich. Und dann wäscht er zeichenhaft vor dem Volk seine Hände in Unschuld.

Da wird die Menge radikal aufgepeitscht zu einem brüllenden Mob.

Der Feind muss sterben!

Das kommt mir alles so bekannt vor.

Da fühlen sich etliche gedemütigt. Vom Westen unterdrückt. Religiös und kulturell missachtet. Und das ist ja auch ein Stück weit wahr.

Da führen etliche ihren eigenen heiligen Krieg.

Da sehe ich Geistliche, die sich die Hände selbst nicht schmutzig machen. Da sind sie, die geistigen Brandstifter, die andere in den Tod gehen lassen.

Da sehe ich Politiker, denen die Schicksale anderer Menschen ganz egal sind.

Sie heizen das Volk auf. Sie machen die Grenzen ihres Landes dicht. Sie vergessen die Menschlichkeit. Keine Gnade.

Und mittendrin: einige Aufrechte.

Ein paar, in die unbeirrt ihren Weg gehen.

Ein paar wenige, die nicht zuschauen können, wenn so viele Menschen im Elend versinken.

Ein paar, die beharrlich und klar an einer Lösung arbeiten, die allen Menschen Würde ermöglicht.

Und sie leiden.

Sie gehen den Weg, den Christus vermutlich gehen würde. Sie sehen die neue Kreatur, die durch Christus geschaffen worden ist: den Menschen, der Gottes Gnade auf dieser Welt Raum verschaffen will.

Für diesen Weg wurde Jesu hart angegriffen. Er wurde beschimpft. Er wurde verflucht. Er wurde angespuckt, gefoltert und getötet. Und er schlug nicht zurück.

Wer das Leben will, der bekommt es nicht zum Nulltarif in dieser Welt. Denn die angeblich heiligen Krieger gibt es überall: In Jerusalem vor 2000 Jahren. In New York, Madrid, London. Wir sehen sie in Paris, Istanbul, Brüssel. Es hört nicht auf.

Wir wissen: das ist kein Weg. Das ist keine Lösung.

Wir haben Christus. Der ist unser Weg.

Auch in der Nacht von Neid, Hass und Tod tragen wir das Licht Christi in uns.

Wir verdrängen den Tod und die Trauer nicht. Wir gehen auch den Weg der Jünger mit, die fassungslos den Tod Jesu sahen.

Aber wir wissen mehr. Paulus hält uns die Sinne wach:

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber

und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu

und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

So sind wir nun Botschafter an Christi Statt,

Denn Gott ermahnt durch uns;

So bitten wir nun an Christi Statt:

Lasst euch versöhnen mit Gott!

Es ist zu Ende mit dem Tod.

Es ist zu Ende mit Neid, Hass und Wut, die die Seele töten.

Es ist zu Ende mit dem Tod, der auch den Körper zerstört und alles auszulöschen scheint. Christus zeigte den Weg ins Leben.

Liebe Gemeinde,

Es ist kein weiter Weg vom Leben zum Tod.

Es ist kein weiter Weg vom Tod zum Leben.

Christus ist immer da.

Er ist diese Wege gegangen und kennt sie.

Und wir wissen das.

Das ändert alles.

Wir sind nicht allein.

Anders als die Jünger kennen wir die ganze Geschichte. Und erleben sie immer wieder.

Wir kennen die ganze Geschichte.

Das ändert alles:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;

das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Nicht Hass, sondern Versöhnung, ist Gottes Weg.

Nicht nur Gerechtigkeit, sondern vor allem Gnade, ist Gottes Weg.

Seit Jahrhunderten inspiriert das uns Christen.

Und so schließe ich mit dem Christen Johann Sebastian Bach, den wir gleich wieder hören werden:

Mein Wandel auf der Welt ist einer Schifffahrt gleich:

Betrübnis, Kreuz und Not sind Wellen,

welche mich bedecken und auf den Tod mich täglich schrecken;

Mein Anker aber, der mich hält, ist die Barmherzigkeit, womit mein Gott mich oft erfreut.

Der rufet so zu mir:

Ich bin bei dir, ich will dich nicht verlassen noch versäumen!

AMEN

Lied und Fürbittengebet mit EG 97, Holz auf Jesu Schulter

Abendmahl mit Bachkantate BWV 56, Nr. 2-5

Predigt über 1. Kor. 9,24-27 am Sonntag Septuagesimae, 24.01.2016

Predigt über 1. Kor. 9, 24-27

Wißt ihr nicht, daß die,

die in der Kampfbahn laufen,

die laufen alle,

aber einer empfängt den Siegespreis?

Lauft so, daß ihr ihn erlangt.

Jeder aber,

der kämpft,

enthält sich aller Dinge;

jene nun,

damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen,

wir aber einen unvergänglichen.

Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse;

ich kämpfe mit der Faust,

nicht wie einer, der in die Luft schlägt,

sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn,

damit ich nicht andern predige

und selbst verwerflich werde.

Es war einmal – ist es noch?

Liebe Gemeinde,

I. Ist das Leben ein Kampf?

Paulus beschreibt es in seinem Brief an die Korinther so, dass es zumindest ein sportlicher Kampf sei.

Das ist ungewöhnlich. Denn mit dem Sport und der körperlichen Leistung hatte man es in Israel nicht so. Sportlicher Wettkampf war römisch und griechisch – ein Denken und eine Lebensart der Besatzer und der unbeliebten Fremdlinge.

Aber Paulus nimmt es auf – als Vergleich für seine Glaubens- und Lebenseinstellung.

Und wie immer, wenn Paulus zur Sache Beispiele aufnimmt, deutet er sie ganz speziell auf den Glaubensweg hin.

Das Leben ist wie eine Art Kampf:
Es will
geführt werden.
Man kann zum
Sieger oder zum Verlierer werden.
Man kann klug vorbereitet und klar sein Ziel ansteuern und dann auch erreichen;
aber man kann seine Kräfte auch an der falschen Stelle verschleißen;
und man kann von der Lebensbahn abkommen…

Das Leben ist eine Art Kampf. Konkurrenzkampf.

So könnte man Paulus verstehen.

Das ist beunruhigend.

II. Im Dezember wurden um einen anderen „Kampf“ kontroverse Debatten geführt: Nach 70 Jahren erlöschen die Verlagsrechte an Adolf Hitlers „Mein Kampf“ und nun gibt es eine wissenschaftlich kommentierte Neuauflage.

Ist das gefährlich und darf das sein?“, fragten viele.

Endlich.“, sagten andere. Endlich kann man lesen, dass auch schon vor 80 Jahren alles schwarz auf weiß geschrieben war, was Hitler vorhatte. Und dass man es hätte wissen können.

In der Tat ist der sogenannte „Kampf“ Adolf Hitlers keine erbauliche Lektüre. Aber das sollte sie auch nie sein. Hitler stellte in der Haft in Landsberg nach seinem gescheiterten Putschversuch in der Weimarer Republik seine Überzeugugen und Ziel in einer Art stilisierter Autobiographie dar. Zu verschiedensten Themen bezog er Position, unter anderem auch zur Frage, wie eine starkes Deutschland mit Fremden und Einwanderer umgehen solle. Die damals aktuelle Situation bewertete er folgendermaßen:

Außer der Einbürgerung durch Geburt besteht noch die Möglichkeit der späteren Einbürgerung. Sie ist an verschiedene Vorbedingungen gebunden, zum Beispiel daran, daß der in Aussicht genommene Kandidat wenn möglich kein Einbrecher oder Zuhälter ist, daß er weiter politisch unbedenklich, d. h. also ein harmloser politischer Trottel ist, daß er endlich nicht seiner neuen staatsbürgerlichen Heimat zur Last fällt. Gemeint ist damit in diesem realen Zeitalter natürlich nur die finanzielle Belastung. Ja, es gilt sogar als förderliche Empfehlung, einen vermutlich guten künftigen Steuerzahler vorzustellen, um die Erwerbung einer heutigen Staatsbürgerschaft zu beschleunigen.

Rassische Bedenken spielen dabei überhaupt keine Rolle.

Der ganze Vorgang der Erwerbung des Staatsbürgertums vollzieht sich nicht viel anders als der der Aufnahme zum Beispiel in einen Automobilklub. Der Mann macht seine Angaben, diese werden geprüft und begutachtet, und eines Tages wird ihm dann auf einem Handzettel zur Kenntnis gebracht, daß er Staatsbürger geworden sei, wobei man dies noch in eine witzig-ulkige Form kleidet. Man teilt dem in Frage kommenden bisherigen Zulukaffer nämlich mit: „Sie sind hiermit Deutscher geworden!“Dieses Zauberstück bringt ein Staatspräsident fertig. Was kein Himmel schaffen könnte, das verwandelt solch ein beamteter Theophrastus Paracelsus im Handumdrehen. Ein einfacher Federwisch, und aus einem mongolischen Wenzel ist plötzlich ein richtiger „Deutscher“ geworden.

Ich weiß, daß man dieses alles ungern hört; allein etwas Gedankenloseres, ja Hirnverbrannteres als unser heutiges Staatsbürgerrecht ist schwerlich vorhanden.

Liebe Gemeinde,

diese Position zu bewerten war und ist Sache der Lesenden. Längst schon kann man es frei und unkommentiert im Internet lesen. Komplett oder in Auszügen.

Paulus würde sagen: Das ist ein Kampf, der ins Ungewisse schlägt:

Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse;

ich kämpfe mit der Faust,

nicht wie einer, der in die Luft schlägt,

sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn,

damit ich nicht andern predige

und selbst verwerflich werde.

Paulus gibt uns – in deutlichem Gegensatz zum Weltbild Hitlers – klare Linien an die Hand: Lauft (sc: alle) so, daß ihr den wahren Siegespreis erlangt.

Geht nicht in Konkurrenz gegeneinander, sondern geht gemeinsam – und jede/r sehe, dass er oder sie auf dem guten Weg bleibe.

Das ist nicht einfach. Das ist durchaus ein Ringen, eine Art Kampf. Zu stark sind die Kräfte, die einen davon abbringen können: Angst; Fanatismus von sogenannten fundamentalen Überzeugungen oder Lehren etc.

Paulus betonte: Ich bezwinge meinen Leib, halte ihn also nahe bei GOTT. Denn ER ist das Maß im Leben.

Wir wissen ja – in diesen Tagen um den Gedenktag am 27. Januar herum – wir wissen ja, wie ethisch blinde, fundamentalistische Kämpfe enden: Immer in einem Meer von Gewalt, Blut und Tränen.

Es geht anders. Es muss. Und das ist auch ein Ringen. Nicht gegen… sondern für…

  • für eine soziale, gerechte Gesellschaft;
  • für Erfolg, der gemeinsam erreicht wird und keine Verlierer hinterlässt;
  • für eine beharrliche, europaweite Bewältigung der Syrien- und Irakkrise, die so viele Menschen in Not, Verzweiflung und Tod gestürzt hat;

Paulus ist uns heute ein Mahner, ein großer Erinnerer: Schau über das hinaus, was du selbst siehst und leisten kannst. Gott ist das Maß. Die Gemeinschaft der Menschen ist das Werkzeug. Gemeinsam, nicht allein. Mit dem klaren Ziel der Nächstenliebe. Weniger will Gott nicht. Das ist unser Maß.

Es mag sein, daß alles fällt,
daß die Burgen dieser Welt
um dich her in Trümmer brechen.
Halte du den Glauben fest,
daß dich Gott nicht fallen läßt:
er hält sein Versprechen.

Es mag sein – die Welt ist alt –
Missetat und Mißgestalt
sind in ihr gemeine Plagen.
Schau dir’s an und stehe fest:
nur wer sich nicht schrecken läßt,
darf die Krone tragen.

(Gesangbuch Nr. 378, 1,4)

AMEN

Lied: Es mag sein, dass alles fällt EG 378