Alle Beiträge von Hans Gölz-Eisinger

Kantatengottesdienst mit Abendmahl an Karfreitag , 30. 3. 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche

Predigt: Hans Gölz-Eisinger
Musik
: Oratorienchor, Jugendkantorei, Bachorchester
Leitung: Heike Hastedt
Orgel: Kord Michaelis

Karfreitag – Liedblatt

Predigt über Hebr. 9,15.26b-28

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

I.

Hoffnung?

Hoffnung ist keine mehr da – am Freitagabend kurz vor Sonnenuntergang, kurz bevor der Shabbat beginnt. Kantatengottesdienst mit Abendmahl an Karfreitag , 30. 3. 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche weiterlesen

Gottesdienst am Sonntag Invokavit, 18. Februar 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche

Predigt: Andreas Waidler, Vikar
Orgel: LKMD Kord Michaelis

Predigt über 2. Kor.  6, 1-10

Liebe Gemeinde,

das Wort für diesen Sonntag Invokavit ist Teil des zweiten Briefes, den Paulus an die Gemeinde in Korinth und an „alle Christen in Achaia“ abfasst. Im zweiten Kapitel schreibt der Apostel: Gottesdienst am Sonntag Invokavit, 18. Februar 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche weiterlesen

Kantatengottesdienst mit Abendmahl am Sonntag Sexagesime , 4. 2. 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche

Predigt: Hans Gölz-Eisinger
Musik: Motettenchor, Projektkantorei, Bachorchester Pforzheim
Sopran: Angelika Lenter
Leitung: Kord Michaelis
Orgel: Heike Hastedt

Sexagesimae 2. Kor. 12,1-10 Liedblatt

Predigt über 2. Kor. 12,1-10

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

heute werden wir vom Apostel Paulus mitgenommen in die wichtigste Erfahrung seines Lebens. Er berichtete (sc. der Gemeinde in Korinth) zuerst, wieviel er durchgemacht und gelitten habe auf seinem Missionsweg. Dann kam er zu seiner Hoffnung, ja zum Grund seines Glaubens. Und das beschrieb er so:

1 Ihr drängt ja mich dazu, dass ich auch von meinem Glück und meinem Erfolg rede. Zwar hat niemand einen Nutzen davon;
trotzdem will ich jetzt von den
Visionen und Offenbarungen sprechen, die vom Herrn selbst kommen. Kantatengottesdienst mit Abendmahl am Sonntag Sexagesime , 4. 2. 2018 um 10 Uhr in der Stadtkirche weiterlesen

Letzter Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Predigt über 2. Mose 3,1-10 von Pfarrer Hans Gölz-Eisinger

Liebe Gemeinde, das heutige Wort der Heiligen Schrift stammt aus der großen Geschichte des Mose. Einst waren die Israeliten in Zeiten der Dürre immer wieder nach Ägypten gezogen, um dort Korn zu kaufen. Und da es in Ägypten den großen Fluss Nil und damit reichlich Korn gab, blieben mit dem Jahren etliche Hebräer im Land. Als es dem ägyptischen Pharao zu viele Israeliten wurden, ließ er sie in Lager internieren und verpflichtete sie zu Zwangsarbeit. In diese Sklaverei hinein wurde Mose geboren, wuchs am Hof des Pharao auf und tötete als junger Mann einen der sadistischen Sklaventreiber. Er verließ fluchtartig seine Heimat und fand in der Wüste beim Nomandenstamm Jitros Sicherheit. Er heiratete und half dem Schwiegervater bei dessen Herden. Seinen Sohn nennt er Gershom, was übersetzt bedeutet: „Ich bin ein Fremdling in fremdem Land“. Das Volk Israel indessen seufzt und jammert unter der harten Herrschaft des Pharao. Da wird Gott aktiv. Und das klingt so: Letzter Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Predigt über 2. Mose 3,1-10 von Pfarrer Hans Gölz-Eisinger weiterlesen

4. Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Predigt über Mt. 14,22-33 von Pfarrer H. Gölz-Eisinger

Predigt über Mt. 14,22-33
Gehalten von Pfr. Hans Gölz-Eisinger in der Sonnenhofgemeinde im Rahmen des Kanzeltauschs

Liebe Gemeinde, heute haben wir es mit einer dramatischen, bewegenden Geschichte zu tun! Wir bekommen Einblick in die Welt der Jünger, und zwar in den überaus spannenden Prozess, wie sie langsam begreifen, wer Jesus ist: nicht irgendein gebildeter, kluger Zimmermann, der wie ein Rabbi auftreten konnte. Sondern viel mehr. 4. Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Predigt über Mt. 14,22-33 von Pfarrer H. Gölz-Eisinger weiterlesen

Predigt über 2. Kor. 5,19-21 an Karfreitag, 25.3.2016

Liebe Gemeinde,

Was kann einen da noch trösten? (vgl. das Evangelium Joh. 18,1 – 19,30)
Wenn der Tod so grausam zuschlägt: wie sie Jesus haben verhaften lassen, wie sie ihn führen ließen von Kaiphas zum Praetorium, dem römischen Gericht und nicht hinein gingen ins Gericht, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passahmal noch genießen konnten. Sie machten sich die Hände nicht selbst schmutzig. Sie hatten kein Problem damit, einen ans Messer zu liefern und dann selbst das Pessach-Fest zu feiern. Und so starb Jesus am Kreuz. Es scheint ihnen nicht einmal den Appetit verschlagen zu haben…

Was kann einen da noch trösten?

Wenn der Tod so grausam zuschlägt: Wie sie sich Bomben um die Körper binden, mitten ins Leben gehen und töten, willkürlich, brutal, gnadenlos, sinnlos. Wie sie in Syrien und dem Irak ihren Krieg führen; wie sie mitten unter Menschen gehen, gnadenlos, in Paris, in Istanbul, in Brüssel.

Der Tod ist noch lebendig und unterwegs. So scheint es.

Aber der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott hilft uns, über ihn hinaus zu sehen. Hören wir, was uns Paulus heute dazu sagt:

14 Wenn einer für alle gestorben ist,

so sind sie alle gestorben.

15 Und er ist darum für alle gestorben,

damit,

die da leben,

hinfort nicht sich selbst leben,

sondern dem,

der für sie gestorben und auferstanden ist.

17 Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;

das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

18 Aber das alles kommt von Gott,

der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus

und uns das Amt gegeben,

das die Versöhnung predigt.

19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber

und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu

und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt,

denn Gott ermahnt durch uns;

so bitten wir nun an Christi Statt:

Lasst euch versöhnen mit Gott!

21 Denn er hat den,

der von keiner Sünde wusste,

für uns zur Sünde gemacht,

damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

2.Kor. 5,(14b f.17f)19-21

Liebe Gemeinde,

Es ist ein weiter Weg vom Leben zum Tod.

Es ist ein weiter Weg vom Tod zum Leben.

So scheint es.

Auch wenn er uns immer wieder so nahe kommt, der Tod, es ist ein weiter Weg. Nur selten kommt er den meisten von uns nahe.

Doch wer mitten im Leben steht, der macht die Erfahrung, dass das alte Lied stimmt:

Mitten wir im Leben sind vom Tod umfangen.

Das ist so.

Aber wir wollen das nicht so.

Denn es scheint das Leben so schwarz zu machen.

Aber das Lied geht ja weiter: Wer ist, der uns Hilfe bringt, dass wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine.

Es gibt Hilfe. Wir müssen die Sinne öffnen. Wir können auf Paulus hören. Wir können Johannes‘ Evangelium genau lesen. Wir können auch Johann Sebastian Bachs Musik und seine Worte hören.

Dort finden wir viel.

Johannes öffnet uns die Augen: Unter dem Kreuz stehen die drei Marias und ein Jünger. Sie stehen bei Jesus. Sie lassen ihn nicht allein. Und unsichtbar drumherum irgendwo in der Menge auch die anderen Jünger. Das wußte Jesus. Nicht allein sein, das hilft.

Johann Sebastian Bach öffnet uns die Sinne. Da singt die gläubige Seele: Ich will den Kreuzstab gerne tragen, er kömmt von Gottes lieber Hand, der führet mich nach meinen Plagen zu Gott in das gelobte Land.

Machen wir uns also auf den Weg, um das kleine Licht mitten in der Todesnähe zu entdecken.

Fangen wir beim Ende an. Paulus stellt alles in ein neues Licht:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;

das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Das Alte ist vergangen.

Der Tod hat keine Macht mehr.

Diese Urangst, die einen zeitlebens so belasten kann, ist gebrochen.

Immer wieder muss man sich als Christ diese Sätze sagen. Der Tod hat keine Macht mehr. Die Gewalt hat keine Macht mehr. Die Bosheit ist nicht unbegrenzt. Das Ziel unseres Lebens ist nicht Vergänglichkeit.

Wir müssen es uns immer wieder sagen. Denn wir sehen anderes.

Wir sehen die Geschichte, die bei Johannes geschrieben steht, immer und immer wieder.

Da lesen wir von Jesus,

  • wie er Jünger um sich herum sammelt;
  • wie er den gnädigen, liebenden Gott predigt;
  • wie er den Menschen zuhört;
  • wie er Menschen heilt;
  • wie er angegriffen wird.

Wir lesen von Diskussionen, von Streit und Hass.

Wir lesen von Neid und Missgunst.

Wir lesen vom Plan, Jesus zu töten.

Da wähnen sich Menschen erfüllt von ihrem Glauben. Und sie schrecken nicht davor zurück, einen zu töten.

Sie führen ihren persönlichen Heiligen Krieg.

Und so zeigen Sie ihn an bei den Römern.

Sie lassen ihn verhaften.

Sie zerren ihn vor dem Hohen Rat, das Religionsgericht.

Und sie machen sich selbst die Hände nicht schmutzig.

Sie schleppen ihn vor das weltliche Gericht.

Pilatus soll richten, was sie selbst nicht umsetzen wollen.

Und Pilatus?

Ich finde keine Schuld an ihm, sagt er wachsweich. Und dann wäscht er zeichenhaft vor dem Volk seine Hände in Unschuld.

Da wird die Menge radikal aufgepeitscht zu einem brüllenden Mob.

Der Feind muss sterben!

Das kommt mir alles so bekannt vor.

Da fühlen sich etliche gedemütigt. Vom Westen unterdrückt. Religiös und kulturell missachtet. Und das ist ja auch ein Stück weit wahr.

Da führen etliche ihren eigenen heiligen Krieg.

Da sehe ich Geistliche, die sich die Hände selbst nicht schmutzig machen. Da sind sie, die geistigen Brandstifter, die andere in den Tod gehen lassen.

Da sehe ich Politiker, denen die Schicksale anderer Menschen ganz egal sind.

Sie heizen das Volk auf. Sie machen die Grenzen ihres Landes dicht. Sie vergessen die Menschlichkeit. Keine Gnade.

Und mittendrin: einige Aufrechte.

Ein paar, in die unbeirrt ihren Weg gehen.

Ein paar wenige, die nicht zuschauen können, wenn so viele Menschen im Elend versinken.

Ein paar, die beharrlich und klar an einer Lösung arbeiten, die allen Menschen Würde ermöglicht.

Und sie leiden.

Sie gehen den Weg, den Christus vermutlich gehen würde. Sie sehen die neue Kreatur, die durch Christus geschaffen worden ist: den Menschen, der Gottes Gnade auf dieser Welt Raum verschaffen will.

Für diesen Weg wurde Jesu hart angegriffen. Er wurde beschimpft. Er wurde verflucht. Er wurde angespuckt, gefoltert und getötet. Und er schlug nicht zurück.

Wer das Leben will, der bekommt es nicht zum Nulltarif in dieser Welt. Denn die angeblich heiligen Krieger gibt es überall: In Jerusalem vor 2000 Jahren. In New York, Madrid, London. Wir sehen sie in Paris, Istanbul, Brüssel. Es hört nicht auf.

Wir wissen: das ist kein Weg. Das ist keine Lösung.

Wir haben Christus. Der ist unser Weg.

Auch in der Nacht von Neid, Hass und Tod tragen wir das Licht Christi in uns.

Wir verdrängen den Tod und die Trauer nicht. Wir gehen auch den Weg der Jünger mit, die fassungslos den Tod Jesu sahen.

Aber wir wissen mehr. Paulus hält uns die Sinne wach:

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber

und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu

und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

So sind wir nun Botschafter an Christi Statt,

Denn Gott ermahnt durch uns;

So bitten wir nun an Christi Statt:

Lasst euch versöhnen mit Gott!

Es ist zu Ende mit dem Tod.

Es ist zu Ende mit Neid, Hass und Wut, die die Seele töten.

Es ist zu Ende mit dem Tod, der auch den Körper zerstört und alles auszulöschen scheint. Christus zeigte den Weg ins Leben.

Liebe Gemeinde,

Es ist kein weiter Weg vom Leben zum Tod.

Es ist kein weiter Weg vom Tod zum Leben.

Christus ist immer da.

Er ist diese Wege gegangen und kennt sie.

Und wir wissen das.

Das ändert alles.

Wir sind nicht allein.

Anders als die Jünger kennen wir die ganze Geschichte. Und erleben sie immer wieder.

Wir kennen die ganze Geschichte.

Das ändert alles:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur;

das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Nicht Hass, sondern Versöhnung, ist Gottes Weg.

Nicht nur Gerechtigkeit, sondern vor allem Gnade, ist Gottes Weg.

Seit Jahrhunderten inspiriert das uns Christen.

Und so schließe ich mit dem Christen Johann Sebastian Bach, den wir gleich wieder hören werden:

Mein Wandel auf der Welt ist einer Schifffahrt gleich:

Betrübnis, Kreuz und Not sind Wellen,

welche mich bedecken und auf den Tod mich täglich schrecken;

Mein Anker aber, der mich hält, ist die Barmherzigkeit, womit mein Gott mich oft erfreut.

Der rufet so zu mir:

Ich bin bei dir, ich will dich nicht verlassen noch versäumen!

AMEN

Lied und Fürbittengebet mit EG 97, Holz auf Jesu Schulter

Abendmahl mit Bachkantate BWV 56, Nr. 2-5

Predigt über 1. Kor. 9,24-27 am Sonntag Septuagesimae, 24.01.2016

Predigt über 1. Kor. 9, 24-27

Wißt ihr nicht, daß die,

die in der Kampfbahn laufen,

die laufen alle,

aber einer empfängt den Siegespreis?

Lauft so, daß ihr ihn erlangt.

Jeder aber,

der kämpft,

enthält sich aller Dinge;

jene nun,

damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen,

wir aber einen unvergänglichen.

Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse;

ich kämpfe mit der Faust,

nicht wie einer, der in die Luft schlägt,

sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn,

damit ich nicht andern predige

und selbst verwerflich werde.

Es war einmal – ist es noch?

Liebe Gemeinde,

I. Ist das Leben ein Kampf?

Paulus beschreibt es in seinem Brief an die Korinther so, dass es zumindest ein sportlicher Kampf sei.

Das ist ungewöhnlich. Denn mit dem Sport und der körperlichen Leistung hatte man es in Israel nicht so. Sportlicher Wettkampf war römisch und griechisch – ein Denken und eine Lebensart der Besatzer und der unbeliebten Fremdlinge.

Aber Paulus nimmt es auf – als Vergleich für seine Glaubens- und Lebenseinstellung.

Und wie immer, wenn Paulus zur Sache Beispiele aufnimmt, deutet er sie ganz speziell auf den Glaubensweg hin.

Das Leben ist wie eine Art Kampf:
Es will
geführt werden.
Man kann zum
Sieger oder zum Verlierer werden.
Man kann klug vorbereitet und klar sein Ziel ansteuern und dann auch erreichen;
aber man kann seine Kräfte auch an der falschen Stelle verschleißen;
und man kann von der Lebensbahn abkommen…

Das Leben ist eine Art Kampf. Konkurrenzkampf.

So könnte man Paulus verstehen.

Das ist beunruhigend.

II. Im Dezember wurden um einen anderen „Kampf“ kontroverse Debatten geführt: Nach 70 Jahren erlöschen die Verlagsrechte an Adolf Hitlers „Mein Kampf“ und nun gibt es eine wissenschaftlich kommentierte Neuauflage.

Ist das gefährlich und darf das sein?“, fragten viele.

Endlich.“, sagten andere. Endlich kann man lesen, dass auch schon vor 80 Jahren alles schwarz auf weiß geschrieben war, was Hitler vorhatte. Und dass man es hätte wissen können.

In der Tat ist der sogenannte „Kampf“ Adolf Hitlers keine erbauliche Lektüre. Aber das sollte sie auch nie sein. Hitler stellte in der Haft in Landsberg nach seinem gescheiterten Putschversuch in der Weimarer Republik seine Überzeugugen und Ziel in einer Art stilisierter Autobiographie dar. Zu verschiedensten Themen bezog er Position, unter anderem auch zur Frage, wie eine starkes Deutschland mit Fremden und Einwanderer umgehen solle. Die damals aktuelle Situation bewertete er folgendermaßen:

Außer der Einbürgerung durch Geburt besteht noch die Möglichkeit der späteren Einbürgerung. Sie ist an verschiedene Vorbedingungen gebunden, zum Beispiel daran, daß der in Aussicht genommene Kandidat wenn möglich kein Einbrecher oder Zuhälter ist, daß er weiter politisch unbedenklich, d. h. also ein harmloser politischer Trottel ist, daß er endlich nicht seiner neuen staatsbürgerlichen Heimat zur Last fällt. Gemeint ist damit in diesem realen Zeitalter natürlich nur die finanzielle Belastung. Ja, es gilt sogar als förderliche Empfehlung, einen vermutlich guten künftigen Steuerzahler vorzustellen, um die Erwerbung einer heutigen Staatsbürgerschaft zu beschleunigen.

Rassische Bedenken spielen dabei überhaupt keine Rolle.

Der ganze Vorgang der Erwerbung des Staatsbürgertums vollzieht sich nicht viel anders als der der Aufnahme zum Beispiel in einen Automobilklub. Der Mann macht seine Angaben, diese werden geprüft und begutachtet, und eines Tages wird ihm dann auf einem Handzettel zur Kenntnis gebracht, daß er Staatsbürger geworden sei, wobei man dies noch in eine witzig-ulkige Form kleidet. Man teilt dem in Frage kommenden bisherigen Zulukaffer nämlich mit: „Sie sind hiermit Deutscher geworden!“Dieses Zauberstück bringt ein Staatspräsident fertig. Was kein Himmel schaffen könnte, das verwandelt solch ein beamteter Theophrastus Paracelsus im Handumdrehen. Ein einfacher Federwisch, und aus einem mongolischen Wenzel ist plötzlich ein richtiger „Deutscher“ geworden.

Ich weiß, daß man dieses alles ungern hört; allein etwas Gedankenloseres, ja Hirnverbrannteres als unser heutiges Staatsbürgerrecht ist schwerlich vorhanden.

Liebe Gemeinde,

diese Position zu bewerten war und ist Sache der Lesenden. Längst schon kann man es frei und unkommentiert im Internet lesen. Komplett oder in Auszügen.

Paulus würde sagen: Das ist ein Kampf, der ins Ungewisse schlägt:

Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse;

ich kämpfe mit der Faust,

nicht wie einer, der in die Luft schlägt,

sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn,

damit ich nicht andern predige

und selbst verwerflich werde.

Paulus gibt uns – in deutlichem Gegensatz zum Weltbild Hitlers – klare Linien an die Hand: Lauft (sc: alle) so, daß ihr den wahren Siegespreis erlangt.

Geht nicht in Konkurrenz gegeneinander, sondern geht gemeinsam – und jede/r sehe, dass er oder sie auf dem guten Weg bleibe.

Das ist nicht einfach. Das ist durchaus ein Ringen, eine Art Kampf. Zu stark sind die Kräfte, die einen davon abbringen können: Angst; Fanatismus von sogenannten fundamentalen Überzeugungen oder Lehren etc.

Paulus betonte: Ich bezwinge meinen Leib, halte ihn also nahe bei GOTT. Denn ER ist das Maß im Leben.

Wir wissen ja – in diesen Tagen um den Gedenktag am 27. Januar herum – wir wissen ja, wie ethisch blinde, fundamentalistische Kämpfe enden: Immer in einem Meer von Gewalt, Blut und Tränen.

Es geht anders. Es muss. Und das ist auch ein Ringen. Nicht gegen… sondern für…

  • für eine soziale, gerechte Gesellschaft;
  • für Erfolg, der gemeinsam erreicht wird und keine Verlierer hinterlässt;
  • für eine beharrliche, europaweite Bewältigung der Syrien- und Irakkrise, die so viele Menschen in Not, Verzweiflung und Tod gestürzt hat;

Paulus ist uns heute ein Mahner, ein großer Erinnerer: Schau über das hinaus, was du selbst siehst und leisten kannst. Gott ist das Maß. Die Gemeinschaft der Menschen ist das Werkzeug. Gemeinsam, nicht allein. Mit dem klaren Ziel der Nächstenliebe. Weniger will Gott nicht. Das ist unser Maß.

Es mag sein, daß alles fällt,
daß die Burgen dieser Welt
um dich her in Trümmer brechen.
Halte du den Glauben fest,
daß dich Gott nicht fallen läßt:
er hält sein Versprechen.

Es mag sein – die Welt ist alt –
Missetat und Mißgestalt
sind in ihr gemeine Plagen.
Schau dir’s an und stehe fest:
nur wer sich nicht schrecken läßt,
darf die Krone tragen.

(Gesangbuch Nr. 378, 1,4)

AMEN

Lied: Es mag sein, dass alles fällt EG 378

Kantatengottesdienst zum 1. Weihnachtstag 25. Dezember 2015, 10.00 Uhr

Kantatengottesdienst mit Abendmahl zum 1. Weihnachtstag
25. Dezember 2015, 10.00 Uhr

Predigt: Titus 3,4-7
Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands,
machte er uns selig
     nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir 
         getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit - 
durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im heiligen Geist,
den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, 
damit wir, 
         durch dessen Gnade gerecht geworden,
Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung.

Liebe Gemeinde,

Heute ist ein freund-licher Tag!
Wir haben gestern wunderbare Gottesdienste erlebt und bekommen auch heute außergewöhnliches für Auge und Ohr geschenkt. Die Vögel singen fast wie im Frühling, nur fast - und wir werden mit himmlischer Musik begrüßt, begleitet und inspiriert.

Heute ist ein freund-licher Tag!
Wir gehen leicht müde und wohlig erschöpft in die Kirche – oder fit, je nachdem – und hören dies: 
Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig.“

Wir können uns nicht sattsehen an diesem Bild von Maria und dem Kind, vom Josef und den Hirten und den Königen. Wir können uns nicht sattsehen und sehen es auch jetzt: Hier vorne rechts vom Altar fast lebensgroß; wir sehen es auf unserem Programm und unserem Weihnachtsfenster in der Werktagskirche. Unersättlich ist meine Sehnsucht, das zu betrachten. Denn es ist das Bild der Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes.

Georg Friedrich Händel hat sie in einer der schönsten Arien verwandelt: 
Rejoice, rejoice, rejoice greatly, o daughter of Zion, ...
Wach auf, wach auf, wach auf! Frohlocke, du Tochter Zions, freue dich, du Tochter Jerusalem, blick auf! Dein König kommt zu dir, ein Gerechter und einer, der Hilfe ist!

Schauen wir heute morgen genau darauf – weniger auf die Theologie der Seligkeit und die Inspiration, die das alles begründet. Lasst uns schauen auf die Freund-lichkeit Gottes, an der man sich nicht satt sehen kann.

Wie sehen wir Gott in der Heiligen Nacht?
Was ist der Grund, warum der Verfasser der Titusbriefs so klar schreibt?

Gott ist freundlich. Er kommt wohl als ein König. Man erkennt ihn aber nicht an der Macht, sondern an seiner Gerechtigkeit. Martin Luther übersetzt: „dein König, … ein Gerechter und ein Helfer“. Aber vom Hebräischen könnte man es auch anders übertragen: ein Gerechter (Zadik) und einer, dem zu helfen ist. Also einer, der mir gerade dadurch hilft, dass er mich braucht; dass er mich in Dienst nimmt; dass er mich in meinen Begabungen fördert und fordert.
Unser Weihnachtsfenster in der Werktagskirche deutet das vielleicht an: Da sehen wir Maria und das Kind. Nur Maria, nicht Josef. Keine Hirten. Keine Könige oder Weisen. Auch keine Schäfchen; oder Esel; oder Ochs.
Maria ist allein.
Man will sie beschützen, die junge Frau mit ihrem ersten Kind. Man möchte ihr Gutes tun und ihre Freude samt ihren Sorgen teilen.
Auf den zweiten Blick sehen wir, dass Maria nicht allein ist.
Über ihr schweben Engel...

Gott ist da. 
Ein Freund. 
Er erschien mit seiner Freund-l-ich-keit.

Gott ist freund-l-ich. Ein Freund, der meinem Ich Raum gibt.
Das steckt in Freund-l-ich-keit drin: Freund. Und: Ich. Eine Beziehung, die Lebens-Räume öffnet.
Eine Lebensfreundschaft.

Heute erfahren wir das Wort der Freundschaft wieder und die Seele fragt: Was machen wir damit?
Reduzieren wir Gott auf Worte und Gebote, die richtig und die zu lernen sind?
Oder lassen wir uns ein auf die lebendige Beziehung, die Gott gewählt hat mit dem Kind.

Menschen neigen zu Worten. Das ist gut. Denn damit erzählen wir Geschichten, sichern gute Erfahrung und regeln gute Gemeinschaft. 

Aber Menschen neigen allzuoft dazu, auch gute, über der Maria die Engel nicht zu sehen. Und dann genau zu wissen, was zu tun ist. Und nicht mehr hören, sondern Richtigkeiten wissen.
Dann geht die Freund-l-ich-keit leise verloren...

Was das in unserem Leben verändert, beschreibt eine Kurzgeschichte aus der russischen Tradition sehr treffend. Die möchte ich Ihnen am Schluss weitergeben:

Es war einmal ein frommer Mann. Der wollte schon in diesem Leben in den Himmel kommen.

Darum bemühte er sich ständig in den Werken der Frömmigkeit und Selbstverleugnung.

So stieg er auf der Stufenleiter der Vollkommenheit immer höher empor – bis er eines Tages mit seinem Haupte in den Himmel ragte.

Aber er war sehr enttäuscht: Der Himmel war dunkel, leer und kalt.

Denn Gott lag auf Erden in einer Krippe.

Gott lag auf Erden. Hier ist er. Auf der Welt. Auf dem Boden der Tatsachen. Freund-l-ich. Bei Maria, bei Josef. Bei Armen und Reichen. Bei mir und bei Dir.

Liebe Gemeinde,

heute ist ein freundlicher Tag. Denn Gott ist da.

Amen

Kantatengottesdienst mit Abendmahl zum 1. Weihnachtstag,
25. Dezember 2015, 10.00 Uhr

Predigt: Hans Gölz-Eisinger
Musik: Ausschnitte aus G. F. Händel, Messias
Jugendkantorei u. Motettenchor, Bachorchester Pforzheim
Leitung: Kord Michaelis
Orgel: Sebastian Weis

Lieder
EG 69,1+3+4 Der Morgenstern ist aufgedrungen
EG 34, 1+3 Freuet euch, ihr Christen alle
Predigt: Titus 3,4-7
EG 39 Kommt und lasst und Christus ehren
EG 36, 1-6 Fröhlich soll mein Herze springen.
EG 33,3 Lob, Preis und Dank Herr Jesu Christ.

Predigt in der Christmette am 24.12.15 um 23 Uhr

Predigt über Römer, 1,1-7

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Gemeinde: Amen

Liebe Gemeinde,

die Krippenspiele sind gespielt. Bei den meisten sind die meisten Geschenke ausgepackt. Das Weihnachtsessen ist vom Tisch. Und wir sind wieder hier:

Hier im Haus Gottes.
Hier in der „Gemeinschaft der Heiligen“.
Hier an der Krippe ganz nah bei dem Kind, das der Grund für unsere Sehnsucht ist. Und der Grund unserer Hoffnung.

Dieser Hoffnung wollen wir nachgehen in der Stille und Ruhe dieser Heiligen Nacht. Dabei leitet uns – sprachlich etwas nüchtern, ein Briefanfang: Ein Weihnachtsrundbrief. Absender: Paulus.

Das ist nun einer von den Rundbriefen, die man öffnet, überfliegt und dann denkt: Das lese ich mir nachher noch einmal in Ruhe durch. Und jetzt ist es so weit. Nun ist Ruhe da. Jetzt sind wir am richtigen Ort. In der Mitte der Nacht also ein Brief, gereist durch fast zwei Jahrtausende und angekommen bei uns. Nimm und lies:

Paulus,
ein Knecht Christi Jesu,
berufen zum Apostel,
ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes,

das
Gott angekündigt hat durch seine
Propheten in der Heiligen Schrift,
von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn;
[Jesus,] der geboren ist aus dem Geschlecht
Davids nach dem Fleisch,
und nach dem Geist, der heiligt,
eingesetzt ist als Sohn Gottes
in Kraft durch die Auferstehung von den Toten.

Durch ihn haben wir empfangen Gnade und das Apostelamt,
in seinem Namen den Gehorsam des Glaubens           aufzurichten unter allen Heiden,
zu denen auch ihr gehört,
die ihr berufen seid von Jesus Christus.

An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom:
Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus!

Liebe Gemeinde,

das ist kein Brief.
Das ist auf schlichte zwei Sätze verdichtete Lebens- und Glaubenserfahrung eines intensiven Lebens. Paulus gibt kurz seine Visitenkarte ab. Das ist nichts zum Drüberlesen, sondern zum Arbeiten und Meditieren. Das ist
Dichtung im wahrsten Sinn des Wortes: Betrachte mehrere Jahrzehnte deines Lebens und koche sie ein auf zwei Sätze – und dann hast du einen Schatz an Erfahrung, der dir Schlüssel zu Leben sein kann.

Heiligabend ist so eine Geschichte, eine dichte. Das oberflächliche Bild täuscht. Es kann besonders schön oder unscheinbar sein, das Paar in der Krippe:
Voller Licht und Romantik; oder
voller Armut und Kälte.
Je nachdem, wie man es betrachten mag.
Maria und Josef, in der Mitte das Kind in der Krippe – das verstehen wir, wenn wir Paulus hören. Denn er zeigt uns, was hinter dem ersten Eindruck steckt:

Wir sehen Maria, eine junge Frau. Wir sehen Josef, einen gestanden Zimmermann. Wir sehen eine Futterkrippe, angeknabbert und angesabbert vom Vieh. Wir sehen Stroh. Und mittendrin ein Baby. Das sehen wir. Vielleicht noch ein paar Schafe, einen Esel, vielleicht einen Ochsen.

Was soll das bedeuten?

Wir sehen ein Paar, das Pech hatte und durch die Steuerschätzung eines großen Kaisers in richtige Schwierigkeiten kam. So kann es gehen, wenn Gesetze ohne Rücksicht auf einzelne Schicksale durchgesetzt werden.
Aber damit ist das Bild noch nicht erkannt.

Was soll das bedeuten?

Paulus hilft. Er schreibt:

Ich bin berufen,
zu predigen das Evangelium Gottes,
das
Gott angekündigthat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift,

von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn;

Das soll es bedeuten:

Eines Tages, mitten in wenig guten Zeiten, schickt Gott seinem Volk einen neuen, anderen König. Einen Messias. So war es angekündigt durch Prophten. So verkündete es zum Beispiel Sacharja: Freue dich, Jerusalem, dein König kommt zu dir. Ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem schlichten Esel. … Er wird Frieden gebieten den Völkern. (Kap. 9,9f)

Eines Tages, mitten in wenig guten Zeiten, wird das kleine und unbedeutende Städtchen Bethlehem in aller Munde sein. Das kündigte der Prophet Micha an: Und du Bethlehem , die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir kommen, der in Israel Herr, sei. … Und sie werden sicher wohnen; … und er wird der Friede sein. (Kap. 5,1+3b+4)

Mit diesen Worten hat Gott seinen kommenden Boten angekündigt.

Was soll das bedeuten?

Es kam dieser ganz andere „König“. Friedlich. Kompromisslos, wenn es um Gerechtigkeit und Versöhnung ging. Und über allem die Liebe.

Was dieser Grundeigenschaft Gottes nicht entsprach, was nicht zur Liebe passte, das kam auch nicht von Gott. Gott hatte Bodenhaftung. Und zeigte das mit einem ganzen Leben.

Sie zeigte sich in Jesus, der als kleines Kind unterwegs in einem Stall zur Welt kam, weil ein Kaiser Gesetze erlassen hatte; und weil eben dieser Kaiser sich verlassen hatte auf herzlose Politiker, die Gnade vor Recht nicht akzeptierten.

Sie zeigte sich an der Krippe. Dort kamen die Menschen zusammen und fanden Frieden: Arme Hirten, wohlhabende, kluge Gelehrte.

Später überwand dieses Kind den Tod. Für Paulus gehören Geburt und Auferstehung untrennbar zusammen. „Nichts“, schrieb er später in seinem Brief, „nichts trennt uns von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist.“

Solche Sätze sind unsere Hoffnungsworte.

Was soll das bedeuten?

Wir haben einen Gott, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht!

Bevor es aber zu dieser späten Stunde allzu theologisch-theoretisch zugeht, schauen wir schlicht auf die „Bodenhaftung“ Gottes. Gott hat etwas mit unserem Leben zu tun. Seine Geschichte spielt mitten im Leben. Und das nicht nur sonntags.

Dabei übersehe ich gerne, wie groß der Abstand zwischen Gott und uns eigentlich ist. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass Gott Mensch wurde, dass uns das selbstverständlich erscheint. Christen bekennen das fast von Anfang an – und heute wundert sich keiner über diesen kurzen Satz: Gott wurde Mensch.

Aber dieser Satz ist eigentlich eine Sensation!

Das möchte ich ihnen mit einer meiner Lieblingsgeschichten verdeutlichen. Das Volk Jesu, die Juden, besaßen und besitzen einen überaus reichen Schatz an Geschichten über Gott und die Welt. Und in der wunderbaren Sammlung von Salzia Landman (vgl. „Der jüdische Witz“) kann man folgendes zum unserem Thema lesen:

Ein frommer Jude wollte unbedingt zu Lebzeiten einmal in den Himmel schauen und sehen, ob es dort wirklich so sei, wie man ihn gelehrt hatte. Da er die Gebote hielt und ein wirklich frommer Mensch war, wurde ihm schließlich eine kurze Audienz gewährt. Da stand er nun mit einer Mischung aus Neugier und Ehrfurcht vor Gottvater. „Ach“, meinte er, „lieber Gott, stimmt es, dass für dich hunderttausend Jahre auf der Erde wie ein Minütchen sind?“ „Ja“, antwortete der Herr, „das stimmt.“ „Ist es auch wahr,“ fragte der Fromme weiter, „dass für dich hunderttausend Taler nur so viel wie’n Groschen sind?“ „Ja“, antwortete Gott gütig, „auch das ist richtig.“ „Ach, lieber Gott, kannst‘ mir nich‘ n Groschen schenken?“ „Gern,“ antwortete der Herr freundlich, „wart ein Minütchen.“

Gott ist menschlich. Aber er ist zugleich auch ganz anders. Es gibt einen unendlichen Unterschied zwischen unserer und Seiner Welt. In unserer Sprache ist das unfassbar, unbegreiflich. Und doch hat sich Gott entschieden, Mensch zu werden.

Was für ein gigantischer Weg – sich in die Niederungen der Welt zu begeben und sich mit unserem Denken, unserer Sprache, unserer Sterblichkeit zu verbinden! Unfassbar. Unbegreiflich.

Und doch spürten die Menschen an der Krippe den Hauch des ewigen Gottes. Sie waren ins Innerste berührt und fühlten, dass sie – egal was passiert war – nie gottverlassen waren und sind.

Das ändert die aktuelle Wirklichkeit erst einmal kaum. Aber es ändert das Leben. Denn ein Leben mit Hoffnung ist ein ganz anderes als ein abgeklärtes, scheinbar realistisches, das nichts mehr glaubt, hofft – und letztlich dann auch nicht mehr liebt.

Deshalb schloss Paulus kurz und bündig mit einer Liebeserklärung:

An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom:

Gnade sei mit euch und Friede
von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus!

Was soll das bedeuten?

Ganz einfach: Gnade und Friede. Nicht mehr. Nicht weniger.

Ist das etwas besonderes? Ist das etwas wert?

So oft schon haben wir diese Worte gehört, Gnade und Friede. Und es ist kein Friede. Gerade deshalb ist es so viel wert, dieses Wort, weil kein Friede ist. Aber Gott ist Gnade und Friede.

Schauen wir heute abend schlicht nach Paris. Wir konnten es in den Nachrichten sehen und hören: Heute sind dort wie jetzt hier in der Stadtkirche große Gottesdienste. Und sie werden ebenso voll sein wie hier. Aber: In Paris sind in jeder Kirche alle Türen und Portale geschlossen bis auf ein einziges. Nur ein Zugang ist frei. Und davor stehen Soldaten mit Maschinenpistolen und schusssicheren Westen. Damit das Fest des Friedens friedlich bleibt.

Gottes Wort ist viel wert: Gnade und Friede.

Liebe Gemeinde,

das ist kein Brief, was uns heute von Paulus gegeben ist.
Das ist auf zwei schlichte  Sätze verdichtete Lebens- und Glaubenserfahrung eines intensiven Lebens. Das ist nichts zum Drüberlesen, sondern zum Arbeiten und Meditieren. Ich finde: es lohnt sich, diese Erkenntnisse zu meditieren.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen

Lied: EG 42 1+2+5+8+9 Dies ist der Tag, den Gott gemacht

Fürbittengebet

Du Mensch gewordener Gott,
du liebst uns und beschenkst deine Welt.
Du bist ein kleines Kind geworden.
So bitten wir dich um Liebe für die Kinder dieser Welt,
dass sie in Frieden groß werden.

Maria und Josef waren auf der Suche nach einer Herberge. So bitten wir dich für alle Flüchtlinge und Menschen ohne Obdach, dass sie beschützt werden.

Maria und Josef waren bei Jesu Geburt auf sich allein gestellt. So bitten wir dich für alle Einsamen, dass ihnen dieses Fest nicht zur Qual, sondern zur Freude wird.

Hirten sind von ihrer nächtlichen Arbeit aufgebrochen und haben dich gesucht. So bitten wir dich für alle, die in diesen Tagen arbeiten, dass sie Dank und weihnachtliche Freude erfahren.

Die Engel haben vom Frieden auf Erden gesungen. So bitten wir für diese friedlose Welt, dass Friede wird in Nazareth und Jerusalem, in Bethlehem und Gaza, dass überall Friede wird in den vielen Ländern, in denen Kriege Leben zerstören.

Die Hirten haben vom Wort der Engel erzählt. So bitten wir dich für die Kirchen in aller Welt, dass sie dein Wort mutig weitergeben und in Verfolgung bewahrt werden.

Du Mensch gewordener Gott, du liebst uns und beschenkst deine Welt. Wir danken dir und bitten dich für uns. Halte deine Liebe in uns wach und segne uns in dieser Heiligen Nacht.

Nach einer Vorlage von Katharina Wiefel-Jenner

 

 

Lieder im Gottesdienst

EG 11, 1+3+4 „Wie soll ich dich empfangen“

Als Psalm: Das Benedictus (Der Lobgesang des Zacharias, Lk. 1, 68-79)

EG 37, 1-4, „Ich steh an deiner Krippen hier“

EG 42 1+2+5+8+9 Dies ist der Tag, den Gott gemacht

EG 36, 1+2+6 Fröhlich soll mein Herze springen

EG 45, 1-4 Herbei, o ihr Gläubigen